![]() Der Bohrturm der KTB |
Am Ende des Naturschutzgebietes
erreichen wir die
Stadt Windischeschenbach, genauer gesagt den Ortsteil Neuhaus.
Keinesfalls sollten wir einen Besuch des
Geo-Informationszentrum an der KTB versäumen, auch wenn der
Bohrturm nicht direkt an unserem Weg liegt. Mit der größten
Landbohranlage der Welt wurde hier die Kontaktzone zweier großer
Kontinentalschollen
erbohrt. Vielfältigste Untersuchungen wurden durch die ab
September
1987 bis April 1989 niedergebrachte Vorbohrung (4000,1 m
Tiefe)
und
die 200 m entfernte Hauptbohrung vom 6. Oktober 1990 bis 12. Oktober
1994
(9101 m Tiefe) ermöglicht, die KTB war das erste und
größte
deutsche Projekt
der geowissenschaftlichen Grundlagenforschung. Ein Rundgang durch die
Ausstellung (mit einer überaus sehenswerten Mineraliensammlung des
bekannten oberpfälzer Sammlers Karl Bauer aus Altenstadt) und die
Besteigung des 83
Meter hohe
Bohrturms ist unbedingt zu empfehlen. Im Internet ist das Geozentrum an
der KTB mit einer eigenen Homepage
vertreten, weitere Informationen über die Tiefbohrung finden sich
auf den Seiten der VFMG-Weiden.
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![]() Beryllkristall im Pegmatit von Püllersreuth bei Windischeschenbach |
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![]() Der hoche Parkstein aus der Ferne ![]() Basaltsäulen am Parkstein |
Mehrfach bietet sich auf der
dritten Etappe ein ferner Blick auf die Vulkanruine des Hohen
Parksteins (Geotopbeschreibung: VFMG-Weiden). Dieser,
als einer der schönsten Geotope Deutschlands
ausgezeichnete tertiäre Basaltschlot liegt zwar einige Kilometer
abseits unseres Weges, wir könnten ihn aber dennoch einen Besuch
abstatten (Abstecher von Altenstadt aus). Im Tertiär, als in
unserer Gegend subtropisches Klima (mit Regenwald-Bedingungen)
herrschte, stellte sich in Nordostbayern ein - in seinen Nachwehen bis
vor wenige tausend Jahre andauernder Vulkanismus ein. Ursächlich
dürften Krustenbewegungen im Zusammenhang mit der Auffaltung der
Alpen gewesen sein. Seinen Schwerpunkt hat dieser Vulkanismus im
böhmischen Duppauer-Gebirge, jedoch reichen die Aktivitäten
entlang des Eger-Grabens weit nach Westen, eben in unser Gebiet.
Südlichster Zeuge dieser Vorgänge ist der Parkstein, etwa 10
km nordwestlich von Weiden. Der heute zu sehende Gesteinskörper
erinnert zwar von der Form her an einen aktiven Vulkan (der "Krater"
fehlt jedoch). Er ist vielmehr ein von den exogenen Kräften als
"Härtling" herausgearbeiteter und Abtragungsschutt umlagerter
Förderschlot. Im weitgehend ebenen sedimentären Vorland
westlich der Fränkischen Linie erhebt sich der Parkstein imposant
auf 595 Meter über dem Meeresspiegel und gewährt eine weite
Sicht über das oberpfälzer Land. Sehenswert das Video-Guide von Parkstein
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![]() Die fränkische Linie ist ein markanter Höhenunterschied - hier bei Buch |
Eine uralte geologische Störung, die "Fränkische Linie" trennt das kristalline Grundgebirge mit seinen Graniten und Gneisen im Osten von den Ablagerungsgesteien in Westen. Im Gelände sehen wir die Fränkische Linie oft als markanten Höhenunterschie, so etwa bei Döltsch, Wendersreuth, westlich Neustadt und östlich Weiden. Das alte Grundgebirge hat sich gehoben und über das sedimentäre Vorland geschoben. Diese Störung ist auf über hundert Kilometer Länge zu beobachten und wurde sogar in großer Tiefe in der KTB durchbohrt. |
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![]() Minerlienvitrine im Rathaus Altenstadt |
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![]() Blick über die Weidener-Bucht |
Zu Beginn des Erdmittelalters hat die Landschaft hier ganz anders ausgesehen. Am Rande der Böhmischen Insel senkte sich das Land, wurde immer wieder überflutet und war mit Steinkohlewäldern bewachsen. Die Ablagerungen haben eine Mächtigkeit von deutlich mehr als 1000 Meter und konnten bei der Thermalwasserbohrung für die Weidener Thermenwelt untersucht werden. Als Überraschung konnten dabei sogar geringe Mengen Erdöl gefunden werden. Unter ähnlichen Bedingungen hat sich im Erbendorfer Becken Steinkohle gebildet, die dort zeitweise sogar abgebaut wurde. Weitere Infos auf VFMG-Weiden. |
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![]() Feldspatkristalle vom Fischerberg bei Weiden |
Als in der Perm-Zeit bei uns
wüstenartige Bedingungen herrschten, heute durch die roten
Böden dokumentiert (man spricht bei diesen Schichten deswegen von
"Rotliegendem"), durchbrachen Vulkane das Gneis-Gebirge. Hinterlassen
hat uns dieser Rotliegend-Vulkanismus die Rhyolith-Gesteine, die wir
bei Almesbach und Mitterhöll am Fischerberg nahe Weiden finden
können.
Eingelagert im diesem früher als Quarzporphyr bezeichneten Gestein
finden Mineraliensammler schöne, bis mehrere cm große
Feldspatkristalle, etwa beim Teufelsstein (Geotopbeschreibung VFMG-Weiden).
Recht schöne Funde - auch von anderen
Mineralien - können wir in der OWV-Sammlung im
Landgerichtsgebäude in Weiden bestaunen.
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![]() versteinertes Holz aus dem Naabtal |
In den Sand und Kiesgruben des Heidenaab- und Waldnaabtals finden sich immer wieder verkieselte Hölzer. Diese Funde, die sich bei etwas Ausdauer in fast jeder Kiesgrube machen lassen, sind zwar schwer zu datieren, stammen aber vermutlich aus der Keuperzeit. Genau genommen dokumentieren diese Kieselhölzer den Küstencharakter, den dieser Raum im Erdmittelalter hatte. |
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![]() Fluoritkristalle von Saltendorf bei Wernberg |
Bei Edeldorf und Luhe wurden
hydrothermal gebildete
Schwerspatgänge gefunden. Aufsteigende heiße Wässer
lagerten bei sinkenden Temperaturen ihre Mineralfracht in tektonisch
entstandenen Spalten ab. Diese Schwerspatgänge leiten zu den
Wölsendorfer Flußspatgängen weiter im Süden
über, deren nördlichster Ausläufer kürzlich in Form
eines Fluorit-Ganges in einem Steinbruch bei Saltendorf bei Wernberg
gefunden wurde.
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Literatur |
VFMG-Weiden |
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Texte
und Fotos: (c) by Berthold Weber |