Der Kreuzberg in Pleystein
von Berthold Weber, Weiden


Wahrzeichen der Stadt Pleystein: der Kreuzberg in der Ortsmitte

Inmitten der kleinen Stadt Pleystein im Landkreis Neustadt/WN, ca. 25 km östlich von Weiden erhebt sich der mächtige Kreuzberg, ein Felsen aus Rosenquarz ca. 38 Meter über das Niveau der Umgebung. Dieses "Quarz-Riff" ist der Rest eines ehemals großen zonierten Pegmatitstocks. Die Verwitterung hat den harten Quarz in Jahr Millionen herauspräpariert und zu einem faszinierenden Beispiel geologischer Bildungen werden lassen. An keiner anderen Stelle in näherer oder weiterer Umgebung ist eine ähnlicher Restpegmatit bekannt oder zugänglich aufgeschlossen.
 

Ostseite des Kreuzberges, hier ist der Quarzfels besonders schön zu sehen. Oberhalb steht die Kreuzbergkirche und (auf dem Bild nicht sichtbar) das Kloster. Im Vordergrund die Anlage anstelle des früheren Steinbruchs.

Pegmatite sind Gesteinsformationen, die aus den Restschmelzen der Granite entstanden sind. Granit ist ja ein, in Nordostbayern verbreitetes Gestein, und bei (oder kurz nach) der Entstehung dieses Gesteins strömten die "leichtflüchtigern" Bestandteile (eben die Restschmelzen) in, durch Gesteinsbewegungen entstandene Spalten (-> Pegmatitgänge) oder Hohlräume (-> Pegmatitstöcke). Diese Restschmelzen enthalten deswegen auch Elemente (Fluor, Phosphor, Eisen, Mangan, Zink u.a.m.), die sozusagen in den Hauptmineralien des Granits (Quarz, Feldspat und Glimmer) keinen Platz gefunden haben. Die Pegmatite bauen sich aber in der Masse auch wieder aus den drei Hautmineralien des Granits auf, jedoch unter anderen Kristallisationsbedingungen. Die Restschmelze entmischte sich in Fall des Pleysteiner Pegmatits so stark, daß ein zonarer Aufbau entstand. Die selteneren Elemente der Restschmelzen, wie eben vor allem Phosphor (aber auch Zn, Li, Fe, Mn, Cu, U ...) wurden durch diesen Vorgang angereichert und es konnten viele verschiedene (seltene) Mineralien auskristallisieren. Die nordostbayerischen Pegmatite, so auch der von Pleystein werden mit einem Alter von ca. 300 Millionen Jahren angegeben und befanden sich zu Zeit ihrer Entstehung in einer Tiefe von ca. 3-5 km. Der Quarzkern des Pleysteiner Pegmatits konnte der Erosion wesentlich besser standhalten als die sicher früher vorhandenen großen Feldspatmassen. In kleinen Hohlräumen des Quarzes fanden sich viele seltene Mineralien, vorwiegend Phosphatmineralien, ähnlich wie bei Hagendorf, der nahe gelegenen ehemaligen Feldspatgrube. Neben den Phosphaten haben sich auch Erzmineralien wie Hämatit, Zinkblende und Magnetkies in beachtlichen Mengen angereichert.
 

Rosenquarz vom Kreuzberg mit dieser kräftigen Farbe ist eine echte Rarität. Solche Stücke konnte man nur in der Zeit finden, wo am Kreuzberg ein Steinbruch betrieben wurde. Das links abgebildete Stück liegt heute in der Sammlung des OWV in Weiden und ist etwa faustgroß.

Mehrfach war der Pleysteiner Kreuzberg auch Ziel bergbaulicher Tätigkeiten. Nach frühesten (wenig zuverlässigen) Berichten aus dem Jahre 1565 soll hier nach Gold gegraben worden sein. Ganz abwegig erscheint das nicht denn Martin, Füßl, Wolfgang Bäumler und Berthold Weber konnten im Sommer 2004 im Pflaumbach ged. Gold nachweisen. In den Jahren 1738 und 1739 versuchte man im Untertagebau Eisenerz zu gewinnen. Doch die Bemühungen wurden bereits im März 1739 wieder eingestellt, als man feststellte, daß die Vererzung zu gering und die Gewinnung im harten Gestein zu schwierig war. Am steil abfallenden Osthang des Kreuzberges zeugt noch heute ein - mit einem Eisengitter verschlossener - Stollen von diesen Bemühungen.
 

Bei Sprengarbeiten im Steinbruch wurde 1897 der alte verschüttete Stollen des Eisenerzbergbaus zufällig und unerwartet wieder angetroffen. 1923 räumten zwei Pleysteiner Heimatforschern der Stollen teilweise, jedoch beendete eindringendes Wasser und loses Gestein dieses gefährliche Vorhaben nach ca. 15 Metern. Heute ist der Stollen, der den ehemaligen Pegmatit unterfährt, mit einem Eisengitter verschlossen.

Ab 1851 bis etwa 1920 baute die Stadt in einem Steinbruch den Quarz selbst ab. So entstand die heute zu sehende steile Ostwand, der Quarzkörper zog sich an dieser Seite bis an die Straße, also über die jetzige Anlage hinweg. Der Quarz war wegen seiner großen Reinheit in der Glasindustrie recht begehrt. Wer allerdings an intensiv gefärbten Rosenquarz denkt, wird (heute) enttäuscht sein. Der Quarz hat nämlich - wohl durch Ausbleichung - vielfach seine zarte Farbe verloren und kommt im tristen weiß-grau daher. Zu Steinbruch-Zeiten war das anders, auch was die sonstigen Mineralien betrifft. Dankenswerterweise schenkte besonders Ferdinand Lehner, ein Pleysteiner Bürger, zu jener Zeit den seltenen Mineralien, die durch diesen Steinbruch zugänglich waren, seine Aufmerksamkeit. Während manche Leute die violetten Kristalle als unbedeutende kleine Amethyste ansahen erkannte und sammelte Lehner die seltenen Phosphate (besonders Strengit und Phosphosiderit). Teile dieser Aufsammlungen sind heute im "Mineralien-und Heimatmuseum", Marktplatz 25, zu bewundern. Leider wurden drei vermeintlich neue Mineralien "Pleysteinit", "Lehnerit"  und "Kreuzbergit" später mit anderswo gefundenen Mineralien als identisch befunden und die Namen zurückgezogen. Wegen der großen Leistung von F. Lehner wurde jedoch 1988 ein in Hagendorf gefundenes Phosphat-Mineral von Prof. A. Mücke (Berlin) erneut als "Lehrerit" benannt. Und, da diese Bezeichnung heute noch Bestand hat, trägt eine der weltweit ca. 4000 bekannten Mineralarten den Namen des Sohns der Stadt Pleystein.
 

Strengit mit Phosphosiderit  (violett), ein seltenes Phosphatmineral vom Kreuzberg/Pleystein. Das graugrüne Mineral ist Rockbridgeit, ebenfalls ein Phosphat, hellgrau ist der Quarz, in dessen Drusen diese Mineralien kristallisierten. Sammlung und Foto: Berthold Weber, Weiden. 
Der Kreuzberg gilt als eine der weltweit besten Fundstellen für Strengit und Phosphosiderit. Die links abgebildeten Strengitkristalle wurden um 1920 in Pleystein gefunden, das Stück wanderte in die Bestände der Mineralienniederlassung Freiberg und fand vor wenigen Jahren letztendlich über eine Tauschgeschäft den Weg zurück in die Oberpfalz in die Sammlung von Berthold Weber. 
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Als 1951 ein Trinkwasserbehälter auf dem Berg errichtet wurde konnten bei den dazu notwendigen Ausschachtungsarbeiten wiederum schöne Phosphatmineralien gefunden werden. Der Gründer der VFMG-Bezirksgruppe Weiden, W. Vierling hatte hier schöne Funde gemacht und Prof. Strunz informiert.

Große Aufregung dann im Jahre 1960. Am 6. März gegen 22 Uhr löste sich ein ca. 100 Tonnen schwerer großer Felsbrocken an der Nordostseite des Kreuzberges, wohl aufgrund von Frostspaltung, und stürzte herab. Er vernichtete eine Scheune und kam an der Wand des damaligen Kinos, in dem gerade eine Film lief, zum liegen. Gott sei Dank kam dabei niemand zu Schaden. Auch dieser Brocken brachte bei seiner Zerlegung zahlreiche schön kristallisierte Phosphatmineralien hervor, die sogar Gegenstand einschlägiger Veröffentlichungen waren. Auch beim Neubau des Schulgebäudes 1982 kamen schöne Mineralien, besonders Vivianit-Kristalle ans Tageslicht. Als absolute Rarität - und weltweit nur in einer Hand voll Fundorten überhaupt beobachtet - gelten die Mineralien Carlhintzeit (ein Calcium-Aluminium-Fluorid) und Benyacarit (ein Titan-Phosphatmineral) vom Kreuzberg, beide erst vor wenigen Jahren entdeckt.

Seit geraumer Zeit weist eine große Info-Tafel am Fuß des Kreuzbergs auf dieses absolut sehenswerte Geotop hin. Der Pleysteiner Kreuzberg ist nämlich eine Station der GEO-TOUR Granit die vom Geozentrum Windischeschenbach in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Geologischen Landesamt ins Leben gerufen wurde. Ins Programm "100 schönste Geotope Bayerns" wurde der Kreuzberg ebenfalls aufgenommen ( Nr. 36, Verleihung am 19.09.04, Geotop-Nr. 374A015). 

Seit vielen Jahren steht nun der Kreuzberg unter Naturschutz und ist zu einem beliebten Ausflugs-Ziel für Besucher aus nah und fern geworden. Vom Gipfel aus hat man eine schöne Aussicht in das, von sanften Hügeln geprägte Umland. In der Anlage um den Kreuzberg hat man vor einigen Jahren zudem zwei  große Kappenquarze (Kristalle !) aus dem Pegmatit von Hagendorf aufgestellt, eine absolut passende Ergänzug dieses Geotops.
 

Der größere der beiden in der Anlage am Kreuzberg aufgestellen Kappenquarze aus Hagendorf-Süd hat einen Durchmesser von ca. 1/2 Meter. Im 5 km entfernten ehemaligen Feldspatabbau von Hagendorf-Süd (Grube Cornelia) konnten die Quarzmassen bei der Kristallisation des Pegmatits teilweise metergroße idiomorphe Kristalle bilden. Diese werden als "Kappenquarze" bezeichnet, weil sich vielfach aufgrund von trennend wirkenden Fremdmineralbeimengungen verschiedene Wachstumsphasen als "Kappe" mechansich trennen lassen. 

Literatur:


Links:


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