
Wahrzeichen der Stadt Pleystein: der Kreuzberg in der
Ortsmitte
Inmitten der kleinen Stadt Pleystein im Landkreis Neustadt/WN, ca.
25
km östlich von Weiden erhebt sich der mächtige Kreuzberg, ein
Felsen aus Rosenquarz ca. 38 Meter über das Niveau der Umgebung.
Dieses
"Quarz-Riff" ist der Rest eines ehemals großen zonierten
Pegmatitstocks.
Die Verwitterung hat den harten Quarz in Jahr Millionen
herauspräpariert
und zu einem faszinierenden Beispiel geologischer Bildungen werden
lassen.
An keiner anderen Stelle in näherer oder weiterer Umgebung ist
eine
ähnlicher Restpegmatit bekannt oder zugänglich
aufgeschlossen.
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Ostseite des Kreuzberges, hier ist der Quarzfels besonders schön zu sehen. Oberhalb steht die Kreuzbergkirche und (auf dem Bild nicht sichtbar) das Kloster. Im Vordergrund die Anlage anstelle des früheren Steinbruchs. |
Pegmatite sind Gesteinsformationen, die aus den Restschmelzen der
Granite
entstanden sind. Granit ist ja ein, in Nordostbayern verbreitetes
Gestein,
und bei (oder kurz nach) der Entstehung dieses Gesteins strömten
die
"leichtflüchtigern" Bestandteile (eben die Restschmelzen) in,
durch
Gesteinsbewegungen entstandene Spalten (-> Pegmatitgänge) oder
Hohlräume
(-> Pegmatitstöcke). Diese Restschmelzen enthalten deswegen
auch Elemente
(Fluor, Phosphor, Eisen, Mangan, Zink u.a.m.), die sozusagen in den
Hauptmineralien
des Granits (Quarz, Feldspat und Glimmer) keinen Platz gefunden haben.
Die Pegmatite bauen sich aber in der Masse auch wieder aus den drei
Hautmineralien
des Granits auf, jedoch unter anderen Kristallisationsbedingungen. Die
Restschmelze entmischte sich in Fall des Pleysteiner Pegmatits so
stark,
daß ein zonarer Aufbau entstand. Die selteneren Elemente der
Restschmelzen,
wie eben vor allem Phosphor (aber auch Zn, Li, Fe, Mn, Cu, U ...)
wurden
durch diesen Vorgang angereichert und es konnten viele verschiedene
(seltene)
Mineralien auskristallisieren. Die nordostbayerischen Pegmatite, so
auch
der von Pleystein werden mit einem Alter von ca. 300 Millionen Jahren
angegeben
und befanden sich zu Zeit ihrer Entstehung in einer Tiefe von ca. 3-5
km.
Der Quarzkern des Pleysteiner Pegmatits konnte der Erosion wesentlich
besser
standhalten als die sicher früher vorhandenen großen
Feldspatmassen.
In kleinen Hohlräumen des Quarzes fanden sich viele seltene
Mineralien,
vorwiegend Phosphatmineralien, ähnlich wie bei Hagendorf, der nahe
gelegenen ehemaligen Feldspatgrube. Neben den Phosphaten haben sich
auch
Erzmineralien wie Hämatit, Zinkblende und Magnetkies in
beachtlichen
Mengen angereichert.
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Rosenquarz vom Kreuzberg mit dieser kräftigen Farbe ist eine echte Rarität. Solche Stücke konnte man nur in der Zeit finden, wo am Kreuzberg ein Steinbruch betrieben wurde. Das links abgebildete Stück liegt heute in der Sammlung des OWV in Weiden und ist etwa faustgroß. |
Mehrfach war der Pleysteiner Kreuzberg auch Ziel bergbaulicher
Tätigkeiten.
Nach frühesten (wenig zuverlässigen) Berichten aus dem Jahre
1565 soll hier nach Gold gegraben worden sein. Ganz abwegig erscheint
das nicht denn Martin, Füßl, Wolfgang Bäumler und
Berthold Weber konnten im Sommer 2004 im Pflaumbach
ged. Gold nachweisen. In den Jahren 1738 und 1739
versuchte man im Untertagebau Eisenerz zu gewinnen. Doch die
Bemühungen
wurden bereits im März 1739 wieder eingestellt, als man
feststellte,
daß die Vererzung zu gering und die Gewinnung im harten Gestein
zu
schwierig war. Am steil abfallenden Osthang des Kreuzberges zeugt noch
heute ein - mit einem Eisengitter verschlossener - Stollen von diesen
Bemühungen.
| Bei Sprengarbeiten im Steinbruch wurde 1897 der alte verschüttete Stollen des Eisenerzbergbaus zufällig und unerwartet wieder angetroffen. 1923 räumten zwei Pleysteiner Heimatforschern der Stollen teilweise, jedoch beendete eindringendes Wasser und loses Gestein dieses gefährliche Vorhaben nach ca. 15 Metern. Heute ist der Stollen, der den ehemaligen Pegmatit unterfährt, mit einem Eisengitter verschlossen. | ![]() |
Ab 1851 bis etwa 1920 baute die Stadt in einem Steinbruch den Quarz
selbst ab. So entstand die heute zu sehende steile Ostwand, der
Quarzkörper
zog sich an dieser Seite bis an die Straße, also über die
jetzige
Anlage hinweg. Der Quarz war wegen seiner großen Reinheit in der
Glasindustrie recht begehrt. Wer allerdings an intensiv gefärbten
Rosenquarz denkt, wird (heute) enttäuscht sein. Der Quarz hat
nämlich
- wohl durch Ausbleichung - vielfach seine zarte Farbe verloren und
kommt
im tristen weiß-grau daher. Zu Steinbruch-Zeiten war das anders,
auch was die sonstigen Mineralien betrifft. Dankenswerterweise schenkte
besonders Ferdinand Lehner, ein Pleysteiner Bürger, zu jener Zeit
den seltenen Mineralien, die durch diesen Steinbruch zugänglich
waren,
seine Aufmerksamkeit. Während manche Leute die violetten Kristalle
als unbedeutende kleine Amethyste ansahen erkannte und sammelte Lehner
die seltenen Phosphate (besonders Strengit und Phosphosiderit). Teile
dieser
Aufsammlungen sind heute im "Mineralien-und Heimatmuseum", Marktplatz
25,
zu bewundern. Leider wurden drei vermeintlich neue Mineralien
"Pleysteinit",
"Lehnerit" und "Kreuzbergit" später mit anderswo gefundenen
Mineralien als identisch befunden und die Namen zurückgezogen.
Wegen
der großen Leistung von F. Lehner wurde jedoch 1988 ein in
Hagendorf
gefundenes Phosphat-Mineral von Prof. A. Mücke (Berlin) erneut als
"Lehrerit" benannt. Und, da diese Bezeichnung heute noch Bestand hat,
trägt
eine der weltweit ca. 4000 bekannten Mineralarten den Namen des Sohns
der
Stadt Pleystein.
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Strengit mit Phosphosiderit (violett), ein seltenes Phosphatmineral vom Kreuzberg/Pleystein. Das graugrüne Mineral ist Rockbridgeit, ebenfalls ein Phosphat, hellgrau ist der Quarz, in dessen Drusen diese Mineralien kristallisierten. Sammlung und Foto: Berthold Weber, Weiden. |
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Der Kreuzberg gilt als eine der weltweit
besten Fundstellen
für Strengit und Phosphosiderit.
Die links
abgebildeten Strengitkristalle wurden um 1920 in Pleystein gefunden,
das
Stück wanderte in die Bestände der Mineralienniederlassung
Freiberg
und fand vor wenigen Jahren letztendlich über eine
Tauschgeschäft
den Weg zurück in die Oberpfalz in die Sammlung von Berthold
Weber. Foto zur Vergrößerung bitte anklicken. |
Große Aufregung dann im Jahre 1960. Am 6. März gegen 22
Uhr
löste sich ein ca. 100 Tonnen schwerer großer Felsbrocken an
der Nordostseite des Kreuzberges, wohl aufgrund von Frostspaltung, und
stürzte herab. Er vernichtete eine Scheune und kam an der Wand des
damaligen Kinos, in dem gerade eine Film lief, zum liegen. Gott sei
Dank
kam dabei niemand zu Schaden. Auch dieser Brocken brachte bei seiner
Zerlegung
zahlreiche schön kristallisierte Phosphatmineralien hervor, die
sogar
Gegenstand einschlägiger Veröffentlichungen waren. Auch beim
Neubau des Schulgebäudes 1982 kamen schöne Mineralien,
besonders
Vivianit-Kristalle
ans Tageslicht.
Als absolute Rarität - und weltweit nur in einer Hand voll
Fundorten überhaupt beobachtet - gelten die Mineralien
Carlhintzeit (ein Calcium-Aluminium-Fluorid) und Benyacarit (ein
Titan-Phosphatmineral) vom Kreuzberg, beide erst vor wenigen Jahren
entdeckt.
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Seit geraumer Zeit weist eine große Info-Tafel am Fuß des Kreuzbergs auf dieses absolut sehenswerte Geotop hin. Der Pleysteiner Kreuzberg ist nämlich eine Station der GEO-TOUR Granit die vom Geozentrum Windischeschenbach in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Geologischen Landesamt ins Leben gerufen wurde. Ins Programm "100 schönste Geotope Bayerns" wurde der Kreuzberg ebenfalls aufgenommen ( Nr. 36, Verleihung am 19.09.04, Geotop-Nr. 374A015). |
Seit vielen Jahren steht nun der Kreuzberg unter Naturschutz und ist
zu einem beliebten Ausflugs-Ziel für Besucher aus nah und fern
geworden.
Vom Gipfel aus hat man eine schöne Aussicht in das, von sanften
Hügeln
geprägte Umland. In der Anlage um den Kreuzberg hat man vor
einigen
Jahren zudem zwei große Kappenquarze (Kristalle !) aus dem
Pegmatit von Hagendorf aufgestellt, eine absolut passende Ergänzug
dieses Geotops.
| Der größere der beiden in der Anlage am Kreuzberg aufgestellen Kappenquarze aus Hagendorf-Süd hat einen Durchmesser von ca. 1/2 Meter. Im 5 km entfernten ehemaligen Feldspatabbau von Hagendorf-Süd (Grube Cornelia) konnten die Quarzmassen bei der Kristallisation des Pegmatits teilweise metergroße idiomorphe Kristalle bilden. Diese werden als "Kappenquarze" bezeichnet, weil sich vielfach aufgrund von trennend wirkenden Fremdmineralbeimengungen verschiedene Wachstumsphasen als "Kappe" mechansich trennen lassen. | ![]() |
Literatur:
Links:
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