Das Naturdenkmal und Geotop "Wolfenstein" bei Hohenwald / Tirschenreuth zeigt Granit-Verwitterungsformen des spät-variskischen Granits mit Pseudokarren und Wollsackbildungen in ausgeprägter Weise.

Die Felsgruppe Wolfenstein befindet sich recht genau 1 km südöstlich Hohenwald im Landkreis Tirschenreuth und 525 Meter über NN. In der sanft-hügeligen Landschaft erhebt sich die markante Gesteinsformation zwar nur ca. 8 Meter über das Gelände, jedoch hoch genug, um den Verwitterungskräften von Wind und Wetter vielfach Angriffsmöglichkeit zu bieten. Geologisch gehört dieses Gebiet zum Nordostrand des Falkenberger Granitmassivs. Und eben aus dem typisch grobkörnigen Falkenberger Porphyrgranit mit seinen großen Feldpäten besteht auch der Wolfenstein.
Zwei Verwitterungsformen sind dabei besonders gut zu sehen. Einmal
die
Wollsackbildung, wie wir sie auch aus dem Waldnaabtal,
vom Doost und aus dem Lerautal
kennen. Andererseits - und das in besonders eindrucksvoller Weise -
sehen
wir auch sogenannte "Pseudokarren", die als steile Rillen die Felsen
überziehen.
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Unzählige Pseudokarren zerfurchen den
Wolfenstein.
Kaumwo sonst in der nörlichen Oberpfalz kann man diese seltene
Verwitterungsform
so deutlich ausgeprägt beobachten wie hier. (Bildbreite links ca.
1,5
Meter)
Bemerken wird der aufmerksame Beobachter am Wolfenstein auch etwa faustgroße Löcher im Gestein. Dabei handelt es sich um keine natürliche Erscheinung, vielmehr haben Kletterer bedauerlicherweise Tritte und Griffe angebracht, um den Felsen zu erklimmen. |
Als Karren werden in der Geologie (Geomorphologie) parallele, mehr
oder
weniger steil vertikal verlaufende Lösungsrinnen durch
hangabwärts
fließendes Oberflächen- oder Niederschlagswasser in
Karstgesteinen
(Kalkstein, Dolomit) gebildet, bezeichnet. Seltener finden sich
ähnlich
Rinnen auch in Gesteinen, die keinerlei Verkarstung unterliegen - wie
etwa
hier im Granit. Für diese Verwitterungserscheinung hat sich der
allgemeine
Begriff "Pseudokarren", "Silikatkarren" und der genauere
Begriff
"Granitkarren" eingebürgert. Ursächlich verantwortlich
für
die Pseudokarren sind orangische und anorganische Säuren, die im
Boden-
und Regenwasser enthalten sind und über lange Zeiträume den
Gesteinszerfall
bewirken. Karren dagegen entstehen durch die Kalklösung
(vorwiegend)
CO2-haltiger Wässer.
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Wenn die länglichen Feldspatkristalle
weitgehend
in einer Richtung liegen spricht man von Fluidalgefüge
(Fließgefüge).
Diese Einregelung der großen Kristalle kann man am Wolfenstein
stellenweise
recht schön sehen.
Als "porphyrisch" bzw. als Porphyrgranit bezeichnet man ein Gestein (diesen Granit), weil größere idiomorphe Kristalle in einer feineren Matrix liegen |
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Eine in dieser Gegend weit verbreitete
Granitverwitterugsform
ist die Vergrusung. Auf den Äckern zwischen Tirschnreuth und
Hohenwald
werden immer wieder bis knapp 10 cm große, aus dem Granit
herausgewitterte
Feldspatkristalle im Granitgrus gefunden. In der Litratur wird
besonders
eine Fundstelle, und zwar nördlich der Straße
Hohenwald-Tirschenreuth
"bei den verlassenen Brüchen beim Wäldel" genannt.
Bild links: Orthoklas-Kristalle , oben rechts von Hohenwald, links und unten von Mitterteich / Autobahnbau. Sammlung B. Weber |
Die Felsgruppe Wolfenstein ist als Naturdenkmal unter Schutz
gestellt
und wird auch vom Bayerischen Landesamt für Umwelt unter Nummer
377R017
als Geotop geführt. Unnötig zu sagen, dass man in so bizarre
Felsen früher allerlei hineingedeutet hat, ob man nun eher
Wölfe
oder - wie in neuerer Zeit gerne - einen versteinerten Saurier darin
sehen
mag, das bleibt freilich jedem selbst überlassen. Der Wolfenstein
keine vom Menschenhand geschaffene Skulptur sondern ein Produkt der
natürlichen Granit-Verwitterung.
Literatur:
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